Dom

Baugeschichte und Ausstattung

Der Regensburger Dom wurde wie der Kölner Dom oder die Zisterzienserkirche in Altenberg als klassische gotische Kathedrale errichtet. Mit seinen Ausmaßen reicht er nahe an die großen französischen Kathedralen heran, wenn auch auf den typischen Kapellenkranz um den Chor verzichtet wurde. Stattdessen haben die Baumeister des 13. und 14. Jahrhunderts, allen voran Meister Ludwig, einen eigenen Ausdruck gewählt mit einem dreischiffigen Langhaus, einem nicht hervorstehenden Querhaus und einem dreiteiligen Staffelchor. Dieser Typus entsprach den Traditionen des romanischen Vorgängerdomes, ist aber auch in zeitgenössischen französischen Kirchenbauten von Rang zu finden.

Wenn man die gewaltige Größe und Wucht der mächtigen Kathedrale betrachtet, fühlt und bewundert man erst die zarte, feingliedrige, graziöse Struktur der Teile. Von aller Erdenschwere losgelöst, die Stein gewordene Phantasie eines gottbegnadeten Künstlers, drängen und quellen in unbeschreiblicher Schönheit und Fülle die Linien nach oben, bis das gewaltige Strahlenbündel immer zarter und durchsichtiger wird und auf seiner Spitze als krönenden Abschluss die Kreuzblume trägt. Es ist ein Symbol der Lebensfreude, der Lebensbejahung wir da in Licht und Sonne getaucht der ganze Bau von einem jubelnden, jauchzenden Streben beherrscht ist … Georg Britting, in: Regensburger Bilderbögen, Regensburg 1911

Vorgängerbauten und Baubeginn

Eine erste „ecclesia sancti Petri“ lässt sich ab 788 nachweisen (erster Dom). Im späten 8. bzw. frühen 9. Jahrhundert wurde im Bereich der heutigen Dombauhütte eine dreischiffige Pfeilerbasilika gebaut (zweiter Dom), die Anfang des 11. Jahrhunderts großzügig nach Westen erweitert wurde. Von ihr ist heute noch der sogenannte Eselsturm an der Nordseite der Kathedrale erhalten. Ein Brand im Jahr 1273 und der damals aufkommende zeitgenössische Stil der Gotik gaben den Ausschlag für einen kompletten Neubau ab 1275/76 – die heutige Kathedrale St. Peter im Stil der französischen Gotik (dritter Dom).

In einem ersten Bauabschnitt folgte der Baumeister noch sehr traditionellen und eher an der Romanik orientierten Formen (südlicher Nebenchor). Ab 1295 begann ein zweiter Bauabschnitt mit der Errichtung eines „Probefensters“ im Hauptchor. Die bis dahin geschlossenen Mauerflächen wurden zu diaphanen (durchscheinenden) Wänden aufgelöst. Es entstand ein überwältigendes Glashaus im Bereich des Hauptchores mit dem für die französische Gotik üblichen dreiteiligen Aufriss (Arkadenbögen, Triforium, Obergaden). Um 1310/15 erfolgte der Einbau der ersten Glasfenster. Nach und nach wurden der Chor, die Querschiffe, das Langhaus und die Westfassade mit dem Triangelportal fertiggestellt. Der Enthusiasmus für den 1275/76 begonnenen Dombau war nach 250 Jahren erloschen. Anfang des 16. Jahrhunderts, in einer Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs, sozialer Unruhen und unter dem Einfluss der Reformation, kam auch der Dombau um 1520 zum Erliegen.

Barockzeit und 19. Jahrhundert

In der Barockzeit wurde die weiße Raumschale des mittelalterlichen Doms um 1620/30 zunächst in einer dem Gold angenäherten Ockerfarbe gefasst. Um 1700 malte man ihn dann noch einmal in einem grünlich-grauen Olivton aus. Barocke Altäre, Musiktribünen, aufwendige Grabdenkmäler und großformatige Gemälde veränderten die Raumwirkung zu dieser Zeit. Dazu gehört auch das Grabdenkmal für Kardinal Philipp Wilhelm von Wittelsbach (1576-1598) im Mittelgang des Doms. Mehrere Bischöfe und das Domkapitel stifteten den prächtigen Silberaltar im Chor des Domes zwischen 1695 und 1785. An Stelle des im Mittelalter geplanten Vierungsturms erhielt der Dom 1697 eine bunt bemalte und mit Stuckaturen versehene Kuppel.

Markante Einschnitte in der Dombaugeschichte erfolgten im 19. Jahrhundert: 1810 fällt der Dom in Folge der Säkularisation an das Königreich Bayern und wird Staatsgebäude. Als königliche Stiftungen erhielt der Dom an der Turmseite ab 1828 neue Glasfenster. 1835 gab König Ludwig I. von Bayern den Auftrag zur Entfernung aller nichtgotischen Einbauten im Dom. Dazu gehörte auch der Abbruch der barocken Vierungskuppel und deren Ersetzung durch ein Kreuzrippengewölbe mit einem zentralen Schlussstein. Die Hinwendung zum Mittelalter und die Interpretation der Gotik als „altdeutscher“ Baustil weckten im 19. Jahrhundert den Wunsch nach der baulichen Vervollständigung des Doms. In einer gemeinsamen Anstrengung von Kirche, Bürgerschaft und Staat wurden unter Bischof Ignatius von Senestrey und mit großzügiger Förderung der bayerischen Könige Ludwig I. und Maximilian II. zwischen 1859 und 1869 die Turmspitzen gebaut. Im Anschluss ging man daran, auch den fehlenden Querhausgiebel zu errichten, der im Jahr 1872 fertiggestellt wurde. Damit war die Kathedrale nach fast 600 Jahren Bauzeit vollendet.

Den höchsten Anlauf nahm die Menschennatur, als sie einen gotischen Dom in Vollendung dachte. Aber er ist ein Ideal geblieben und mit Recht, denn das Vollendete muss unvollendet bleiben. Die fertigen gotischen Dome sind nicht vollendet, und die vollendeten sind nicht fertig.. Theodor Fontane, Briefe

Zeitalter der Moderne

Das 20. und beginnende 21. Jahrhundert war und ist vor allem durch Sanierungsmaßnahmen und Veränderungen im Innenraum geprägt. Dazu wurde 1923 die staatliche Dombauhütte gegründet, die seitdem regelmäßige Arbeiten zur Wartung, Instandhaltung und Restaurierung vornimmt. Bereits 30 Jahre nach Errichtung der Turmhelme waren sie infolge der Luftverschmutzung in ihrem Bestand gefährdet. Trotz größerer Reparaturen mussten 1915/16 die Krabben an den Helmrippen entfernt werden. In den 1950er Jahren verhinderte ein in der Regensburger Dombauhütte entwickeltes Kunststeinverfahren den Abbruch der Helme. Zwischen 1954 und 1957 wurden sie mit dauerhaftem Splittbeton ummantelt und erhielten auch wieder ihre Krabben.

In den 1930er Jahren legte Erzbischof Michael Buchberger das Bildprogramm der Baldachin- und Seitenaltäre neu fest. Ab 1967 erfolgte unter Bischof Rudolf Graber der Einbau neuer Glasfenster im nördlichen Nebenchor und im Langhaus, die von Professor Josef Oberberger geschaffen wurden. Im Jahr 1976 erhielt der Dom im Zentrum einen neuen Altar, der von Richard Triebe geschaffen wurde. Unter Bischof Manfred Müller kam es zu einer umfassenden Sanierung zwischen 1984 und 1989 sowie dem Einbau der unterirdischen Grablege der Regensburger Bischöfe. Dabei wurden auch Fundamente und Pfeiler aus der Zeit des zweiten Doms freigelegt. Der Außenbau wurde im Anschluss daran bis 2010 gereinigt. In den Jahren 2004/5 wurde unter Bischof Gerhard Ludwig Müller der südliche Nebenchor zur Sailer-Kapelle umgebaut und schließlich im Jahr 2009 die Rieger-Orgel errichtet.

Ausstattung

Zur wertvollsten Ausstattung der Kathedrale gehören neben dem Silberaltar die 39 Glasfenster aus der Zeit von 1310 bis 1450 mit ihren über 1100 Glasscheiben, die den Dom in „heiliges Licht“ tauchen. Von herausragender Bedeutung sind darüber hinaus die steinernen Bildwerke, die das Innere und Äußere des Doms bevölkern, allen voran eine frei stehende Statue des Kirchenpatrons Petrus im südlichen Seitenschiff. Künstlerischer Höhepunkt ist die „Verkündigungsgruppe“ mit Maria und dem lachenden Engel. Beide Figuren wurden vom Dombaumeister Ludwig (früher Erminold-Meister genannt) um 1280 gefertigt und sind in ihrem Ausdruck und ihrer Gestaltung Meisterwerke von europäischem Rang. Einzigartig ist zudem der romanische, im Jahr 1525 tief greifend umgebaute und mit spätgotischen Architekturelementen gestaltete → Doppelkreuzgang mit zahlreichen Grab- und Erinnerungssteinen, zwei Innenhöfen sowie der Stephanus- und der um 1155 entstandenen Allerheiligenkapelle. Dieser kann derzeit aufgrund einer Generalsanierung bis 2020 leider nicht besichtigt werden.