Detailansicht der Regensburger Domorgel © Michael Vogl

Regensburger Domorgel

Wunderschön im hochgewölbten Dom
Schwebst du, wie ein Sternenchor am Himmel;
Deiner Töne feierlichem Strom
Weichet ehrfurchtsvoll das Erdgetümmel.
Über die Gemeinde wogt die Flut,
Läutert, wärmt und stärkt mit heil’ger Glut.

Ignaz Heinrich von Wessenberg (1774-1860)

Die Worte aus dem Gedicht „Die Orgel“ scheinen wie für die Orgel im Regensburger Dom geschrieben zu sein. Schwebend hängt die Orgel über uns, ein technisches und künstlerisches Meisterwerk. Das Licht der abendlichen Sonne lässt die Orgel erstrahlen – einem Sternenhimmel gleich. Ihr Klang, vom zarten Spiel bis hin zur Allgewalt der Harmonien trifft uns im Innersten, wenn wir uns darauf einlassen. Er berührt uns, lässt Gefühle aufwallen und durchdringt unser Herz. Flügeln gleich, schwingt sich der Klang im Dom hin zu Gott und mit ihm auch wir, die wir oftmals im Erdgetümmel zu versinken drohen.

Wie jede Orgel, so dient die 2009 von der Firma Rieger Orgelbau fertig gestellte Regensburger Domorgel in erster Linie der Feier der Liturgie, die in der Kathedrale vorbildhaft sein soll. Aber natürlich ermöglicht die erste große Orgel im Regensburger Dom seit über 700 Jahren auch die adäquate Realisierung der großen Orgelwerke, die im 19. und 20. Jahrhundert für die bedeutenden Kathedralen geschaffen wurden. Dafür stehen dem Organisten die 80 Klangfarben mit 5871 Pfeifen der rund 36 Tonnen schweren Orgel zur Verfügung.

In Zusammenarbeit zwischen dem Staatlichen Bauamt Regensburg als Vertreter des Eigentümers des Doms, dem Domkapitel als Bauherrn und den Vertretern der Dommusik entschied man sich, die Orgel vor der fast fensterlosen Wand des Nordquerhauses aufzuhängen, da sie genügend Fläche für ein adäquates Instrument bietet. Die dadurch fast zentrale Positionierung des Instruments im Dom, die geringe Tiefe der Querhäuser und die beinahe „wandlose” gotische Architektur gewährleisten eine sehr gute Ausbreitung des Klangs und eine erstaunliche klangliche Transparenz. Alle Werke der Orgel sind über- und nebeneinander um den zentral positionierten Spieltisch angeordnet: das ermöglicht einerseits einen schlanken Orgelkorpus und eine optimale Klangabstrahlung, andererseits kurze Trakturwege und ein ausgewogenes Klangbild der fünf Teilwerke für den Organisten.

Die Domorgel wird in den Gottesdiensten an Sonn- und Feiertagen um 10 Uhr und um 12 Uhr von → Domorganist Professor Franz Josef Stoiber gespielt. Regensburger Organistinnen und Organisten gestalten darüber hinaus die → Mittagsmeditationen (Mo – Fr um 12 Uhr) vom Dienstag nach Ostern bis zum 31. Oktober mit. Orgelkonzerte mit internationalen Interpreten finden im Juni und Juli jeweils am Mittwoch Abend um 20 Uhr statt.


Regensburger Domorgel

Der innere Aufbau der Regensburger Domorgel

von Wendelin Eberle, → Rieger Orgelbau

Das statische Korsett der Orgel bildet eine knapp sieben Tonnen schwere Stahlkonstruktion. Diese besteht aus zwei senkrecht über die gesamte Orgelhöhe verlaufende Rahmen, an deren oberen Ende sich die Ösen für die Befestigung der vier je 30 mm dicken Stahlseile befinden, mit welchen die Orgel in einer eigens geschaffenen Stahlkonstruktion im Dachboden verankert ist. In diese zwei aufrechten Rahmen sind dann auf unterschiedlichen Höhen fünf weitere horizontale Rahmen eingebracht, welche die einzelnen Ebenen der verschiedenen Werke bilden. Mehrere diagonale Abspannungen verleihen dem Torso die nötige Steifigkeit.

Manch einem mag die Aufhängung der Orgel mittels der vier Stahlseile als sehr gewagt erscheinen, dennoch wurde hier mit einem Vielfachen an Sicherheit gerechnet. Man bedenke, dass rein rechnerisch ein einziges Stahlseil mit einem Durchmesser von nur 16 mm ausreichen würde, um die gesamte Last der Orgel von 37 Tonnen zu tragen!

Auf der untersten, ersten Ebene sind das Pedal- (auf Sturz) und das Bombardwerk, auf der zweiten Ebene, unmittelbar unterhalb des Spieltisches, das Positivwerk untergebracht. Die dritte Ebene, auf etwa halber Höhe der Orgel, trägt den Spieltisch und bildet zugleich die Ausstiegsebene des Aufzugs. Die vierte Ebene, direkt über dem Spieltisch, beheimatet das Hauptwerk und dient als Befestigung für die aufwendige Teleskopkonstruktion des Aufzugs. Auf der fünften, obersten Ebene ist das Schwellwerk untergebracht. Somit ergibt sich die den Spieltisch umschließende Anordnung der Werke, die sich bei genauer Betrachtung im Orgelprospekt sehr deutlich widerspiegelt.

Die Windladen der Orgel sind als Tonkanzellenladen ausgeführt und jeweils C- und Cs-seitig aufgeteilt. Die Windzufuhr zu den Ladenbälgen der einzelnen Werke erfolgt über zwei unabhängige Windsysteme und ein Netz von Holzkanälen. Die Gesamtkapazität beträgt 86 m3 Wind pro Minute bei einem Druck von 0,14 bar. Eine Einheit (Gebläse und Magazinbalg) befindet sich auf dem Dach des Schwellwerkes, also ganz oben, die Andere auf der untersten Ebene hinter dem Bombardwerk.

Die Orgel besitzt zwei in ihren Funktionen identische Spieltische, von denen der eine (Hauptspieltisch) in der Orgel integriert und der andere (Generalspieltisch) im Chorraum platziert ist. Der Hauptspieltisch ist als eingebauter Spielschrank mit senkrecht angeordneten und schräg stehenden Registermanubrien und mit rein mechanischen Trakturen ausgeführt. Das heißt, die Ventile aller vier Manualwerke sowie des Pedals und auch sämtliche Koppeln werden auf mechanischem Wege (feine Holzstäbchen im Querschnitt von 0,8 x 6 mm und einer Länge von bis zu 9 m) betätigt. Demgegenüber erfolgt das Öffnen der Ventile vom freistehenden Spieltisch über eine sehr schnelle, komplexe elektronische Steuerung. Die Manubrien des elektrischen Spieltisches sind zwar analog dem mechanischen Spieltisch, allerdings waagrecht und in geschwungener Form angeordnet. Trotz seiner beachtlichen Größe passt sich dieser Spieltisch äußerlich harmonisch dem Ensemble des Chorgestühls an. Beide Spieltische können auch gleichzeitig benutzt und von beiden kann jeweils auch die Chororgel (1989) bedient werden.

Die Betätigung der Register sowie die Ansteuerung der Schweller erfolgt von beiden Spieltischen über das neue REA-System (Rieger-Electronic-Assistant), welches sowohl die elektrische Traktur, die Setzeranlage und die Schwellersteuerung in einem einzigen, vernetzten System vereint. Zudem bietet dieses System nützliche Funktionen wie ein Datenarchiv, Wiederholungsfunktionen, Kopierfunktionen, Aufzeichnungs- und Wiedergabefunktion, geteiltes Pedal, Sostenuto, frei einstellbare Koppeln, wählbare Schwellkurven usw.

Informationen

→ Disposition
→ English Information
→ Domorganist

Konzerte 2017

→ Programmheft (Auszug)

7. Juni, 20:00 Uhr
Franz Josef Stoiber, Regensburg/DEU

14. Juni, 20:00 Uhr
Andreas Boltz, Frankfurt a.M./DEU

21. Juni, 20:00 Uhr
Ruben Sturm, Rottenburg/DEU

28. Juni, 20:00 Uhr
Jos van der Kooy, Amsterdam/NLD

5. Juli, 20:00 Uhr
Pierre Pincemaille, Paris/FRA

12. Juli, 20:00 Uhr
Bernhard Schneider, Braunschweig/DEU

19. Juli, 20:00 Uhr
Martin Setchell, Christchurch/NZL

26. Juli, 20:00 Uhr
Franz Josef Stoiber, Regensburg/DEU