Dom

Die Glasfenster

Nicht nur angesichts der großen Anzahl der erhaltenen mittelalterlichen Felder nimmt der Regensburger Dom mit seiner Verglasung eine bedeutende Stellung unter den deutschen Bauten der Gotik ein. Vor allem auch die Tatsache, das ganze Fensterensembles noch lückenlos an ihrem ursprünglichen Anbringungsort erhalten sind, tragen dazu bei, dass man vom Dom St. Peter als »Gesamtkunstwerk« sprechen kann. Einen solchen Eindruck gewinnt man jedenfalls noch heute, wenn man den Dom von Westen nach Osten durchschreitet. Die außerordentliche Bedeutung der farbigen Glasflächen für den ganzen Bau des Doms lässt sich dann nachempfinden, ja man kann sogar soweit gehen, dass es sich bei einer gotischen Kathedrale wie dem Regensburger Dom um einen Raum handelt, der leuchtende Wände, aber keine Fenster besitzt (Hans Sedlmayer).

Rund 1100 mittelalterliche, bemalte Felder (562 Rechteckscheiben sowie 532 Kopf- und Maßwerkscheiben) sind – auf 39 Fenster – verteilt in Haupt- und Südchor, Querhaus, den Seitenschiffen des Langhauses sowie in einer kleinen Türe im ersten Geschoss der Westfassade des Regensburger Domes erhalten. Die ältesten Glasmalereien stammen noch aus dem romanischen Vorgängerbau und wurden unterhalb des gewaltigen Fensters im Südquerhaus im dortigen Triforium eingebaut. Sie zeigen die Genealogie Christi; zu sehen sind Teile des Stammbaums Jesu und eine Darstellung der Geburtsszene.

Den Blickfang bildet die dreigeschossige Fenstergruppe im Hauptchorschluss. Wenn man diese betrachtet und ihr Leuchten auf sich wirken lässt, beginnt man die Faszination zu begreifen, welche von diesen Glasgemälden ausgeht und welche Menschen im Mittelalter dazu getrieben hat, immer mehr Fensterflächen zu schaffen und die Kathedrale in einen Lichtraum zu verwandeln.

Abbild der Gottesstadt auf Erden

In der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch in der Bibel, lesen wir von der heiligen Stadt, dem neuen Jerusalem, das von Gott her aus dem Himmel herabkommt: Sie glänzt wie ein kostbarer Edelstein, wie ein kristallklarer Jaspis und ihre Straße ist aus reinem Gold, wie aus klarem Glas (→ Offb, 21). Die durchleuchteten Wände dürfen als Versuch verstanden werden, dieses himmlische Jerusalem möglichst vollkommen zu darzustellen – nicht nur durch das mystische Licht, das durch die Glasscheiben gebrochen wird, sondern auch durch die mosaikartige Zusammensetzung der Glasgemälde aus einzelnen kleinen Glasstücken wie einzelnen Edelsteinen. Vieles deutet darauf hin, dass die gotische Kathedrale nicht nur ein Symbol der Himmelsstadt sein wollte, sondern dass sie vielmehr und unmittelbarer als Abbild der Gottesstadt auf Erden zu verstehen ist.

Geschichte der Glasfenster

Der Großteil der 1100 mittelalterlichen Glasfelder entstand parallel zum Dombau zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert. In darauffolgenden Jahrhunderten wurden beschädigte Fenster instandgesetzt und vorhandene Blankverglasungen durch weitere Glasmalereien ersetzt. Seit 1827 entstanden – angeregt und gestiftet von König Ludwig I. von Bayern – neue Glasfenster für die Westwand, später auch für die Nebenchöre und das Querhaus. Obwohl der Regensburger Dom während des Zweiten Weltkrieges weitestgehend unbeschädigt blieb, vernichteten Brandbomben mittelalterliche Fenster des nördlichen Seitenschiffes und einzelne Scheiben des nördlichen Querhauses. Diese und die schon vorher farblosen Obergadenfenster wurden zwischen 1967 und 1989 vom Münchner Akademieprofessor Josef Oberberger neu gestaltet und eingesetzt. Herausragend ist sein Pfingstfenster im nördlichen Querhaus, das 1989 anlässlich des 1250-jährigen Jubiläums des Bistums eingesetzt wurde.

Weiterführende Information

Einen überblick über die Geschichte der Glasfenster und deren Beschreibung bietet der Kleine Kunstführer „Regensburg – Die Glasmalereien des Domes“, der im → Verlag Schnell & Steiner erschienen ist. Dieser ist im Infozentrum DOMPLATZ 5 erhältlich.



Cover des Kleinen Kunstführers zu den Glasmalereien im Dom