document niedermünster © Uwe Moosburger

document Niedermünster: Erlebnisort 2000-jähriger Kulturgeschichte

Unter der romanischen → Niedermünsterkirche gleich neben dem → Dom liegt eine der größten archäologischen Ausgrabungsstätten Deutschlands: das einzigartige document Niedermünster in der Nordostecke des ehemaligen römischen Legionslagers „Castra Regina“. Es ist einer der wenigen Orte in Deutschland, an dem die kontinuierliche historische und bauliche Entwicklung von fast zweitausend Jahren auf engstem Raum erhalten, begehbar und anschaulich aufbereitet ist: eine archäologische Zeitreise zu den wichtigsten Epochen der Regensburger und der bayerischen Geschichte, die man bei einer → Führung erleben kann.


Viele Besucher archäologischer Ausgrabungen sehen auf den ersten Blick oftmals nur eine unverständliche Masse an Steinen und Mauern, die schichtweise immer weiter anwachsen – im document Niedermünster bis zu fünf Meter. Umso wichtiger ist es, die einzelnen Schichten dem Besucher deutlich zu machen. In hervorragender Weise ist dies im document Niedermünster unter der Dompfarrkirche gelungen. Hier werden, unterstützt durch mehrere Filme, archäologische Schichten und die damit verbundenen geschichtlichen Entwicklungen dem Besucher anschaulich verdeutlicht.

Von der Römerzeit bis ins 21. Jahrhundert

Unter der Niedermünster-Kirche befanden sich zunächst die Unterkünfte von Legionären, danach wurde das Areal von einem repräsentativen, mit Fußbodenheizungen ausgestatteten Gebäude eingenommen. In diesem, einer römischen Stadtvilla ähnlichen Gebäude, das bis um 475/476 n. Chr. genutzt wurde, residierte und wohnte vermutlich ein offizieller römischer Amtsträger noch zu einer Zeit, von der wir bisher dachten, dass die Römer das ‚sinkende Schiff‘ längst verlassen hätten. Die Ausgrabungen, die 1963 begannen und seit 2011 im neu eingerichteten document Niedermünster sichtbar gemacht wurden, zeigen die geschichtliche Entwicklung vom römischen Legionslager, das 179 nach Christus gegründet wurde, bis zum Neubau der romanischen Niedermünsterkirche im 12. Jahrhundert. Von dort lässt sich die weitere Entwicklung bis in das 21. Jahrhundert am Ort selber ablesen.

Herausragende Denkmäler darin sind die Mauern der römischen Mannschaftsbaracken, die Reste einer spätrömischen Heizanlage, die gesamte Langhaus- und Chorwand der spätmerowingischen Pfalzkapelle mit den Spuren ihres karolingischen Umbaus sowie das Mauerwerk des ottonischen Kirchenneubaus. Die Gräber der ottonischen Herzogsfamilie und das Grab des Heiligen Erhard sind weitere bedeutende Zeugnisse des Mittelalters. Um die komplexen Befunde verständlich zu machen, gibt es zu den einzelnen Bauphasen eine Lichtführung, durch die einzelne Baukörper oder Baudetails hervorgehoben werden können. So markiert z.B. die Farbe Rot die Zeit nach 700 n. Chr., als mit der Pfalzkapelle der bajuwarischen Herzöge die sakrale Nutzung am Ort einsetzte. Und in Blau werden all jene Dinge beleuchtet, die mit dem direkten Vorgängerbau der heutigen Kirche aus der Zeit des mittleren 10. Jahrhunderts zusammenhängen.

Heilige und Herzöge im document Niedermünster

Von besonderer Bedeutung sind die Gräber des bayerischen Herzogs Heinrich I. (+ 955), dessen Frau Judith sowie von Herzogin Gisela von Burgund, der Frau des Bayernherzogs Heinrich II.. Darüber hinaus hat in der Niedermünsterkirche der heilige Erhard (+ um 715 n. Chr.), der zu den → Patronen des Bistums Regensburg gehört, seine letzte Ruhe gefunden. Sein Grab macht das document Niedermünster zu einem einzigartigen Geschichtsdokument: Nach 700 findet der Bischof aus dem Frankenreich an der Nordwand der Pfalzkapelle seine letzte Ruhestätte – in einer Grablege aus Tuffplatten, mit einem römischen Sarkophagdeckel verschlossen. Hoch verehrt, wird er 1052 heilig gesprochen. Der Standort seines Grabes bleibt bei sämtlichen späteren Neubauten der Kirche unangetastet. Das Sarkophag „wächst“ allerdings mit dem Bodenniveau nach oben. Heutzutage findet sich der Schrein mit Gebeinen des hl. Erhard in der Niedermünsterkirche – genau über der Stelle, an der er vor rund 1300 Jahren bestattet worden war.