Dom

Die Westfassade

Wem sich jetzt bei untergehender Sonne der Blick auf die Westfront mit den Türmen auftut, der steht erschüttert davor. Aus der ungeheuren Felsenpyramide ringt sich Bewegung: Säulen und Pfeiler erwachen und stemmen sich titanisch gegen die überwältigende Last. Von Aposteln, Propheten und Märtyrern, unter zierlichen Baldachinen gekrönt, wachsen sie aufwärts, immer schlanker werdend, als spürten sie die Masse weniger, die sie tragen müssen. Dazwischen begeben sich, in Nischen geborgen, heilige Geschichten: ein Engel beugt sich über den eingekerkerten Petrus und führt ihn hinaus; die Wächter schlafen. Eine unerschöpfliche Legende christlicher Heroen entfaltet sich, höher, höher hinauf, wo kein Menschenauge mehr das edle Werk unterscheidet. Bogen reiht sich an Bogen, leicht, als wäre es zum Spiel, schießen die Säulen empor, stürmisch flutet der energische Wille zum Himmel, kaum trägt er noch an der steinernen Masse, die durchglüht sich öffnet, zittert, lebt. Zum Zeichen, welcher Art die Kraft ist, der dies gelang, schwebt inmitten der Glorie des Lichts das Kreuz mit Christus, dem Überwinder. Von seinem stummen, hochentrückten Leibe schwingt sich die Botschaft, als ob ein Chor von Posaunen sie bliese, über den Markt ins Gewimmel: »In der Welt habt ihr Angst und Not; aber seid getrost, ich habe diese Welt überwunden.« Ricarda Huch, 1927


Zu den eindrucksvollsten Bauteilen des Regensburger Doms St. Peter gehört die figurenreiche Westfassade mit den beiden himmelstrebenden Türmen. Ab 1325 wuchs sie innerhalb von 200 Jahren von rechts unten nach links oben empor. Mit der Einstellung der Bauarbeiten um 1520 endeten beide Türme in den Glockengeschossen. Sie wurden mit Pyramidendächern gedeckt und verblieben so für 350 Jahre. Zwischen 1859 und 1869 ergänzte man schließlich die Turmstümpfe und baute darüber die Oktogongeschosse und die spitz zulaufenden Turmhelme.

50 mittelalterliche Steinfiguren und vier Reliefdarstellungen schmücken die Fassade. Dazu kommen rund 170 Figuren und Figürchen am Hauptportal. Zum Abschluss der ersten großen Renovierungskampagne des Innenraums (1618 bis 1639) wurden zu beiden Seiten der Seitenportale acht barocke Statuen angebracht. Verwitterung und Umwelteinflüsse führten dazu, dass ein Teil der mittelalterlichen Figuren im 19., 20. und 21. Jahrhundert ausgetauscht werden mussten z.B. die vier Reiterfiguren oder Apostel am Freipfeiler.

Im Mitteltrakt der Fassade befindet sich mit den zwei großen Bogenfenstern und dem Rundfenster die zentrale Darstellung: Christus am Kreuz mit Maria und Johannes. Am Fuß des Kreuzes wird Petrus im Schiff gezeigt – der Kirchenpatron und zugleich das Wappen des Domkapitels. Überhöht wird dieses Feld von einem Dreiecksgiebel mit dem Engel der Verkündigung und Maria, der vom so genannten Eicheltürmchen bekrönt wird.

Ein → Poster hilft dabei, die einzelnen Figuren an der Westfassade und den Türmen zu bestimmen.

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