Dom

Dom St. Peter zu Regensburg

„Ich möchte nicht in einer Welt ohne Kathedralen leben. Ich brauche ihre Schönheit und Erhabenheit. Ich brauche sie gegen die Gewöhnlichkeit der Welt.“ Was Paul Mercier in seinem Roman „Nachtzug nach Lissabon“ mit diesen Sätzen ausdrückt, lässt sich ganz augenscheinlich an der Kathedrale St. Peter ablesen und erfahren. Schönheit und Erhabenheit, Maß und Proportion, Glas und Licht – das alles haben die Bauleute des Mittelalters in einem mächtigen Gebirge aus Stein zusammengefügt und eingefasst. Vor allem aber haben sie dem Glauben an Gott Ausdruck verliehen in einer für die damaligen Zeit modernen und zeitgmäßen Form: einer Kirche im Stil des in Frankreich des 13. Jahrhunderts geschaffenen Typus der Kathedrale.

Der Regensburger Dom ist – neben dem Kölner Dom und der Zisterzienserkirche in Altenberg – die einzige Kirche Deutschlands, die als gotische Kathedrale errichtet wurde. Mit ihren Ausmaßen reicht sie nahe an die großen französischen Kathedralen der Hochgotik heran, wenn auch auf den typischen Kapellenkranz um den Chor verzichtet wurde. Stattdessen haben die Baumeister, allen voran Meister Ludwig Ende des 13. Jahrhunderts, einen eigenen Ausdruck gewählt mit einem dreischiffigen Langhaus, einem nicht hervorstehenden Querhaus und einem dreiteiligen Staffelchor. Dieser Typus entsprach den liturgischen Traditionen des romanischen Vorgängerdomes, ist aber auch in zeitgenössischen französischen Kirchenbauten von Rang zu finden, u.a. in der Stiftskirche St. Urbain in Troyes (Grundsteinlegung 1262).

Seit über 700 Jahren kommen in der Kathedrale St. Peter Menschen zusammen, um zu beten, Gottesdienst zu feiern und um sich an der Schönheit und Erhabenheit des Baus, der künstlerischen Ausstattung und der Musik in ihrem Inneren zu erfreuen. Seit 2006 gehört die Kathedrale St. Peter als Teil des Ensembles „Altstadt Regensburg mit Stadtamhof“ zum → UNESCO-Welterbe. Im gleichen Jahr, am 12. September 2006, besuchte Papst Benedikt XVI. – als erster Papst überhaupt – die Kathedrale und feierte dort einen ökumenischen Gottesdienst.

Zum wertvollsten Gut des nach 1273 begonnenen Baus zählen die 39 mittelalterlichen Glasfenster mit ihren über 1100 erhaltenen Glasscheiben aus der Zeit von 1310 bis 1450. Von herausragender Bedeutung sind die steinernen Bildwerke, die das Innere und Äußere des Doms bevölkern. Künstlerischer Höhepunkt ist die „Verkündigungsgruppe“ mit Maria und dem lachenden Engel. Beide Figuren wurden vom Dombaumeister Ludwig (früher Erminold-Meister genannt) um 1280 gefertigt und sind in ihrem Ausdruck und ihrer Gestaltung Meisterwerke von europäischem Rang. Einzigartig ist zudem der romanische, im Jahr 1525 tief greifend umgebaute und mit spätgotischen Architekturelementen gestaltete → Doppelkreuzgang mit zahlreichen Grab- und Erinnerungssteinen, zwei Innenhöfen sowie der Stephanus- und der um 1155 entstandenen Allerheiligenkapelle. Dieser kann derzeit aufgrund einer → Generalsanierung bis 2020 leider nicht besichtigt werden.

An der Nordseite des Doms befindet sich in den historischen Räumen der ehemaligen bischöflichen Residenz mit Fresken der Renaissance das → Domschatzmuseum, das Schatzkammerstücke des Mittelalters und der Neuzeit beherbergt. Darunter befindet sich ein Emaille-Kästchen (um 1400 in einer der Werkstätten der französischen Fürstenhöfe entstanden) mit 11 000 eingeschmolzenen Goldsternen und in Emaille gemalten phantastischen Fabeltieren. Weltweit einzigartig ist das Schmetterlingsreliquiar aus dem 14. Jahrhundert.

Der Dom, vom Häusermeer behütet – ein Meisterstück des Mittelalters, die Visitenkarte einer längst vergangenen Epoche, aber voller Leben, beseelt vom Genie, vielleicht selbst ein lebendiges Wesen. Wer ihm die Ehre gibt, mag ergriffen, staunend oder einfach überrascht reagieren; der hochbetagte Bau fordert Respekt. Er verstellt buchstäblich den Weg und droht dann, die in sein Halbdunkel tauchen, zu verschlucken. Macht er sie zu einem Teil seiner selbst? Er bleibt tolerant. Auch Argwohn bietet er Platz. Der Dom zwingt niemanden, die Hände zu falten. Seine Gewölbe spannen sich großzügig über die Individualisten des einundzwanzigsten Jahrhunderts und lassen den Gedanken freien Lauf. Seit langem werden die Streben und Pfeiler vom Grübeln ungezählter Köpfe imprägniert, beizeiten schon gab es einen Dialog von Geist zu Stein und von Stein zu Geist. Im Dom wird immer geredet. Ein beredtes Kunstwerk ist er, eine Königshalle der Gefühle, ein Weltanschauungs-Provokateur, und sei es nur für flüchtige Augenblicke. Bertram Stubenrauch, in: Geist in Stein, Regensburg, 2000

Öffnungszeiten

April, Mai und Oktober

6:30 – 18 Uhr

Juni – September

6:30 – 19 Uhr

November – März

6:30 – 17 Uhr

Gottesdienste

Sonn- und Feiertage

10 Uhr Kapitelsmesse (musikalisch gestaltet von den → Regensburger Domspatzen und dem → Domorganisten)
12 Uhr Eucharistiefeier

Wochentage

7 Uhr Eucharistiefeier

Montag – Freitag

(Dienstag nach Ostern – 31. Oktober)
12 Uhr → Meditation und Orgelmusik

Führungen

DOMPLATZ 5 bietet einen Vielzahl von → Führungen im Dom an.

Domschatzmuseum

Montag – Samstag

11 – 17 Uhr

Sonn- und Feiertage

12 – 17 Uhr
Das Domschatzmuseum ist am 24./25. Dezember und am 1. Januar geschlossen.


St Peter’s Cathedral and Cathedral Treasury

St Peter’s Cathedral of Regensburg is one of the most significant cathedrals of Germany and spiritual center of the diocese of Regensburg. Since July 13th 2006 St. Peter’s Cathedral as part of the Old Town Regensburg with Stadtamhof has been inscribed on the → UNESCO List of World Heritage Sites.

Most treasured features of this church are the exceptional well preserved medieval stained glass windows. Most date from between 1320 and 1370, but there are even some survivors from 1220-30. Among several notable sights in the interior is the „Smiling Angel“ on the southwest pillar in the crossing, which is part of an Annunciation group (the Virgin Mary is across the nave on the northwest pillar). The angel looks very cheerful and is quite popular with visitors. It is the visible expression of the Gospel – the good news of the love of God become man. There are said to be nearly 100 images of St. Peter, to whom the cathedral is dedicated, throughout the exterior and interior. Notable examples include an elegant stone statue in the south aisle and the St. Peter Window above the south portal (c.1320).

The attached museum of treasures exhibits precious vestments and regalia, including unique examples of the art of goldsmithing, such as the Butterfly-Reliquary from the 14th century.

Opening hours

April, May and October

6:30 AM to 6 PM

June to September

6:30 AM to 7 PM

November to March

6:30 AM to 5 PM

Mass Shedule

Sunday and Holy days

10 AM Holy Mass (→ Regensburger Domspatzen)
12 AM Holy Mass

Weekday

7 AM Holy Mass

Monday to Friday

(Easter to end of October)
12 AM Meditation and organ music

Guided tours

DOMPLATZ 5 offers → guided tours for groups in English.

Cathedral Treasury

Monday to Saturday

11 AM to 5 PM

Sunday and Holy days

12 AM to 5 PM
The Cathedral treasury is closed Dec 24/25 and Jan 1st.